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Paramour-Studios sind ein Geschäft, kein Wohltätigkeitsverein. Die Mitternachtsmission ist an der anderen Seite der Stadt. Um nichtsdestoweniger die fast ununterbrochene Flut von verkümmerten Leben zu stemmen, die jedes Jahr durch unsere Tore treiben, haben wir einen kurzen Dokumentarfilm erstellt, der aufzeigt, was man in Bay City nicht tut. OK, es ist ein Tax Shelter. Was Sie jetzt sehen werden, ist nicht für Empfindliche bestimmt. Es geht um ein phänomenal erfolgloses Drehbuch, das zuerst in München im Oktober 1995 vorgelegt -- und ohne viel Federlesen zurückgewiesen wurde. Sechs Monate später wurde das Manuskript von den kalten, steifen Fingern einer Leiche entfernt, die unter dem Bay City Pier gefunden wurde.
WWW: Spielzeug oder Werkzeug?Der World Wide Web (WWW) besteht aus dem Internet, der HyperText Markup Language (HTML) und den Multimedia, welche zum Beruf der technischen Kommunikation gehören. Um eine rentable Produktwerbung oder Firmen-PR für Ihre Organisation in diesem neuen elektronischen Medium aufzubauen, brauchen Sie nur eine Internetverbindung, die Sie durch Ihre Firma oder als eine Internet-Dienstleistung bekommen können. Heutzutage braucht man nur die "Tagesschau" im ZDF anzuschauen, um etwas über eine World Wide Web "Home-Page" für einen Blumenladen mitten in der Wüste von Arizona oder über den Chaos Computer Club "irgendwo in Berlin" zu erfahren. Zwischen Witzen über den "Brave New World" des "Cyberspace" erklärt der Ansager, daß jedermann, der einen Computer und ein Modem hat, den WWW benutzen kann, um mit anderen Spinnern weltweit zu reden. Und ganz nebenbei sagt er uns, daß dieses grafische Teil des Internet, das schon 30 Millionen Benutzer hat, immer grösser wird. Was soll denn das? Ist der WWW ein Spielzeug für verrückte Amis? Eine Science-Fiction-Phantasie für blutarme Hacker oder was denn? Und wenn der WWW verwendet wird, was hat der mit uns -- technischen Autoren, Redakteuren, Übersetzern, Illustratoren und Grafikern -- zu tun? Das heißt, was kann der WWW für meinen Beruf, meine Karriere und mein Gehalt tun? Ich habe einen strengen Chef zufriedenzustellen, viele Verlagstermine einzuhalten und noch viele Rechnungen zu bezahlen -- keine Zeit für dumme Spielereien. Die Antwort im Klartext ist: Der WWW kann sich für Sie rentieren. Um die Wahrheit dieser Behauptungen zu prüfen, müssen Sie zunächst ein paar Meilensteine aus der Geschichte des WWW kennen. Der WWW gehört zu unserem BerufDer WWW besteht aus drei unabhängigen Kommunikationstechniken: dem Internet, der HyperText Markup Language und den Multimedia. Der InternetErstens ist der WWW ein Teil des Internet, der das Netz aller lokalen Computernetze von Unis, Firmen und einzelnen Computer-Benutzern der ganzen Welt ist. Dieses Netz war in den 60er Jahren von der Advanced Research Projects Agency (ARPA) der NATO entwickelt worden. Der Internet ist sehr sicher, weil er direkt nach der Berlin-Krise und dem Höhepunkt des kalten Krieges entworfen wurde, um einen Atomkrieg zu überstehen. Die NATO suchte ein besonderes Kommunikationssystem, im Falle der Zerstörung der Telefonverbindungen in Europa und Amerika durch Atomwaffen der Sowjetunion. Akademiker und Wissenschaftler benutzen dieses System schon seit dreißig Jahren, um direkt mit ihren Kollegen zu kommunizieren. Erst seit 1991 und -- dies ist kein Zufall -- kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist die kommerzielle Nutzung des Internets erlaubt [DECEMBER 1995]. Die HyperText Markup LanguageZweitens ist der WWW ein Hypertextverlagssystem. 1989 haben Physiker am Conseil European pour la Recherche Nuclear (CERN) in Genf die HyperText Markup Language (HTML) entwickelt [CERN 1995]. HTML bringt die Standard Generalized Markup Language (SGML) der International Standards Organization (ISO) zum Internet. Dadurch konnten Wissenschaftler zum ersten Mal komplexe Ideen austauschen, ohne auf proprietary DeskTop Publishing (DTP) Systeme zurückgreifen zu müssen, die mit einander weder sprechen noch sprechen wollten. HTML ist von keiner Hardware- oder Software-Umgebung abhängig, weil sie die logische Struktur -- nicht das visuelle Format -- der Dokumente darstellt [GRAHAM 1995, OBERT 1995]. MultimediaDrittens ist der WWW ein Multimediasystem. 1993 haben Informatiker am National Center for Supercomputing Applications (NCSA) im US-Staat Illinois den ersten grafischen WWW-Browser "Mosaic" entwickelt. Zum ersten Mal konnten Benutzer durch den Internet Abbildungen, Ikone und Fotos in den Hypertext-Dokumente sehen [DECEMBER 1995]. Direkt aus NCSA entstand Netscape Corporation im Jahre1994. Fast alle Informatiker, die Mosaic entwickelt haben -- besonders der Erfinder, Marc Andreeson -- arbeiten heutzutage bei Netscape. Zur Zeit kann man den Netscape Navigator benutzen, um WWW-Home-Pages mit veränderlichen Hintergründen (d.h. Farben und Struktur), komplexe Tabellen, kombinierte Nachrichtengruppen (z.B. TechWriters Home) und E-Mail-Archive, eingeschobene Außenprogramme (z.B. Adobe Acrobat) und real-time Interaktion (z.B. Sun Microsystems Java) aufzubauen [NETSCAPE 1995]. Der WWW ist rentabelIm Grunde ist der WWW ein rund um die Uhr geöffnetes Advertising- und Auskunftswerkzeug. WWW-Pages können jeden Tag Millionen Leute und tausende Firmen weltweit erreichen, und außerdem kostet ein Home-Page nur ungefähr soviel, wie eine zweiseitige Anzeige in einer deutschen Zeitung [SNI 1995]. In diesem neuen elektronischen Medium bauen Firmene externe,interne oder öffentliche WWW-Server auf. Externe WWW-ServerHeute benutzen viele Firmen externe WWW-Server mit öffentlichen Home-Pages, um für ihre Produkte zu werben, Auftragstransaktionen abzuwickeln und sogar Zahlungen mit Kreditkarten zu kontrollieren. Das heißt, durch ein offenes Datei-Sicherheitsprotokoll (Secure Courier) kann man heute mit Kreditkarten direkt durch den WWW Produkte kaufen. Auch können Firmen durch WWW-Formulare Marketing-Daten über ihre Kunden sammeln [NETSCAPE 1995]. Trotz aller dieser technischen Neuerungen, brauchen Firmen immer mehr Kommunikationsexperten, um ihre Nachrichten transparent und ihre Home-Pages attraktiver zu machen. Interne WWW-ServerHeute benutzen Firmen, besonders Multis, interne WWW-Server hinter elektronischen "Fire-Walls" als firmeninterne Informationsquelle, um den Arbeitnehmern die Firmenpolitik (z.B. Verwaltungsauskunft, Nachrichten, Bulletins und finanzielle, technische und Produktionsdaten) zu vermitteln [NETSCAPE 1995]. Ein weiteres Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Kollegen, besonders zwischen Erfindern und Entwicklern, zu verbessern. Aber viele Firmen benutzen noch eine unmögliche Kombination von proprietary E-Mail, lokalen Netz-Servern und DTP-Produkten, die gar nicht zu einander passen. Technische Kommunikationsexperten wie Sie sind notwendig, um interne WWW-Plätze zu organisieren [THUS 1995]. Öffentliche WWW-ServerHeute brauchen Informatiker öffentliche WWW-Server, um schnell wechselnde Informationstechniken zu verstehen. Es gibt bereits WWW-Pages für das Institute of Electrical and Electronics Engineers [IEEE 1995], das Human-Computer Interaction Bibliography Project [HCI 1995] und die International Standards Organization [ISO 1995]. Warum nicht Paramour Studios? Besonders für Übersetzer ist ein solcher elektronischer Kontakt mit Kollegen in anderen Länder wichtig. In gleicher Weise brauchen Redakteure die Normen, Standards und Richtlinien für technische Publikationen. Denn wer hat schon Zeit, alle die professionellen Tagungen zu besuchen? Wie nützlich wäre es, wenn Paramour-Mitglieder von Nordsee bis Bodensee in ständigem Kontakt miteinander stehen würden und Nachrichten, Handbücher und Manuskripte für Tagungen online hätten [SNI 1995]. Probieren geht über StudierenDas Einsteigen in den WWW ist ganz einfach. Einerseits können Sie durch Ihre Firma eine Internetverbindung bekommen oder anderseits eine Internet-Dienstleistung gegen Entgelt mieten. Ihr Systemadministrator kann Netscape Navigator vom Internet (ftp://ftp.netscape.com/pub) installieren. Damit können Sie HTML- und GIF-Akten von verschiedenen Plätzen von dem WWW auf Ihr Hard-Drive kopieren und benutzen, um Ihre eigenen Home-Pages aufzubauen. Sie brauchen kein HTML-Handbuch zu lesen. Sie können einfach von den besten real-time Beispielen lernen. Die zweite, menschliche Stufe ist aber nicht so leicht zu erreichen. Um einen WWW-Platz zu gründen, braucht man einen Server. Wenn wir einen Paramour-Platz aufbauen wollen, müssen wir zuerst eine Uni oder Firma davon überzeugen, daß wir ein machbares, nützliches Kommunikationskonzept für einen öffentlichen WWW-Server haben. Aber hinterher müssen wir uns beweisen, daß wir wirklich technische Kommunikationsexperten sind. Das heißt, ein WWW-Platz für tekom selbst könnte einen solchen Beweis darstellen.
Quellenangaben
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